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Die Evolution der Tastatur

Wohl kaum eine Komponente im IT Bereich hat sich in den letzten Jahrzehnten so sehr gegen jede Form der Weiterentwicklung gewehrt wie die klassische Computertastatur. Klar, kabellos ist so manche Tastatur geworden, und wenn nicht, dann ersetzt zumindest der USB-Anschluss die PS/2-Schnittstelle. Aber sowohl das QWERTY/Z Layout, das Nummernpad auf der rechten Seite und in vielen Fällen auch die Haptik unterscheidet sich bei den meisten Tastaturen für Desktop-Geräte kaum von einer Tastatur aus den 80er Jahren. Ergonomische Eingabegeräte fristen ein Nischen-Dasein und selbst bei der Eingabe über Touch-Displays erscheint das gewohnte Tastatur-Layout auf den sonst so innovativen Bildschirm-Darstellungen.

Warum ist das so? Ist die Standard-Tastatur einfach so gut, dass die Krone der Schöpfung erreicht ist? Die Tastatur als Spitzenprädator der Eingabegeräte? Viele Schreibtischtäter mit RSI-Syndrom (auch als „Mousearm“ bekannt) werden hier ihr Veto einreichen, denn der ständige Wechsel zwischen Mouse und Tastatur und die dazu notwendige, nicht unbedingt ergonomische Haltung bereiten vielen Menschen, die oft und lange an Desktop-Rechnern arbeiten Probleme.

Vielleicht liegt es einfach daran, dass sich etablierte Systeme nur schwer ändern lassen. Zu sehr haben wir uns an die Eingabe gewöhnt, so dass jede Umstellung schwer fällt. Dabei haben viele Programme neben den gängigen Shortcuts ihre eigenen Tastenkombinationen, die ein schnelleres Arbeiten ermöglichen. Da wäre es doch nur plausibel, wenn auch die Tastatur möglichst individuell anpassbar wäre.

Etwas mehr Disruption bitte

Große Branchen hat die Digitalisierung komplett umgekrempelt. Nicht nur die Art und Weise, wie Medien gemacht werden, sondern auch wie wir reisen oder einkaufen ist heute anders als noch vor 20 Jahren. Das wichtigste Eingabegerät des digitalen Zeitalters hat sich indes kaum verändert. Dabei wäre das eigentlich einfach möglich – wie das aussehen könnte? Ganz einfach: Mit einer frei konfigurierbaren, digitalen Tastatur:

Über einen Editor kann sich jeder Nutzer sein eigenes Layout zusammenstellen. Eine Standard Quertz-Layout und daneben ein Trackpad, oder doch das gewohnte Nummernfeld. Selbstverständlich kann man je nach Anwendung zwischen verschiedenen Presets wechseln. Beim Surfen benötigt man vielleicht eher ein Trackpad und den schnellen Zugriff auf die offenen Browsertabs oder Lesezeichen. Zum Schreiben von Mails ist die Standardtastatur praktikabel und für die Tabellenkalkulation wäre ein großes Nummernfeld passend. Grafiker schaffen sich einen Schnellzugriff für Farbpaletten, Programmierer legen sich Code-Bibliotheken auf bestimmte Sonderfelder. Selbstverständlich können Software-Anbieter eigene Presets für ihre Anwendungen anbieten. Von Nutzern erstellte Presets lassen sich online untereinander tauschen und weiter anpassen.
Natürlich ließe sich ein solches Eingabegerät mit einem Tablet und einer „Second-Screen-App“ recht einfach lösen. Doch aus ergonomischen Gründen wäre ein anderes Format vielleicht von Vorteil. Ein Optimierungsprozess, wie wir ihn eigentlich von fast allen Komponenten im IT Bereich kennen könnte auch der Tastatur nicht schaden, oder?

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