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Blair Witch X

Blair Witch Project X

Das Blair Witch Project war einer der ersten Filme, die wirklich vom Internet profitiert und daraus einen Mehrwert gezogen haben. Der Hype und die vorab inszenierten Gerüchte, dass der Film tatsächlich auf gefundenem, dokumentarischem Material beruht, zeigte damals eine Wirkung, die heute nur noch schwer nachzuvollziehen ist.
Natürlich ließ sich dieser Erfolg nicht wiederholen und die Fortsetzung des Films floppte wie zu erwarten. Doch es kursieren immer wieder Gerüchte um einen möglichen dritten Teil. Kann das wirklich gut gehen?
Warum eigentlich nicht? Zwar kräht heute kein Hahn mehr nach verwackelten YouTube Videos, die nachts im Wald in einer verlassenen Hütte gedreht wurden, aber es gibt zahllose Beispiele dafür, dass Internethypes noch immer funktionieren – natürlich anders als vor 15 Jahren. Es ist also eher die Frage, ob der dritte Teil im Kino richtig aufgehoben wäre:

Film, Foto, Facebook: Eine Multi-Channel-Story

Storytelling wird immer mehr auch zu einer Frage der Technik (das gilt übrigens nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für Information). Statt gefundenem Videomaterial sollte Teil Drei also eher auf den Inhalten beruhen, die auf einem gefundenen (oder geklautem?) Smartphone entdeckt werden können:
Die Geschichte ist das Rätsel des verschwundenen Nutzers mit seinen Social-Media Profilen, Chat-Dialogen, Tweets, aufgenommenen Bildern und Videosequenzen. Die multi- und crossmedialen Inhalte des Smartphones ergeben zusammengesetzt die (fiktive) Geschichte des Besitzers. Wer die Geschichte erfahren will, kann Teile davon auf dem Facebook-Profil des Benutzers entdecken, sich diverse Dokumente aus der öffentlich zugänglichen Dropbox herunterladen, sich die YouTube-Playlist und den Instagram-Kanal ansehen oder eben auch ins Kino gehen. Dabei muss man als Rezipient vielleicht gar nicht jeden Aspekt der Geschichte in seiner Fülle und Verschiedenheit aufdecken. Stück für Stück aber kann man die Geschichte erforschen und aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln entdecken, oder auch einfach nur im Kino konsumieren.

Interessante Links:

  • Wie sich die Vorlieben des Zuschauers interaktiv in ein Video integrieren lassen macht die BBC in diesem Projekt vor
  • Auch Bücher können mehrdimensional sein. Das beweist eindrucksvoll Das Haus von Mark Z. Danielewski
  • Der Name dieses Tumblr Blogs ist Programm: „Das Leben eines Fremden, der mein Telefon geklaut hat“. Bliebe nur noch zu erwähnen, dass der Fremde nicht weiß, dass die von ihm damit gemachten Fotos weiterhin in der Dropbox des Eigentümers und dann in seinem Blog landen.

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